Vorbei ist bald das alte Jahr und vieles wie davor auch war, auch Weihnachten ist heuer wieder, man singt und hört bekannte Lieder.
Vielleicht bemerktet ihr es auch, geändert hat sich hier der Brauch, wer hier ist älter schon an Jahren, weiß noch, wie Bräuche früher waren.
Als ich ein kleiner Bub noch war, war Weihnachten ganz wunderbar, Geschenke gab es ohne Frage am höchsten dieser Feiertage.
Wenn es dann endlich dunkel war, erschien für uns – doch unsichtbar, das Christkind hier auf unser Erde, den Menschen kündend,
dass es besser werde.
Das Christkind kennt heut' kaum noch wer, das Christkind, das uns einst so sehr als Bote froh und heilig schien, von unsrer Welt scheint heut' zu flieh'n.
Statt seiner – ich halt's für ein Graus beschenkt auch hier der Nikolaus. Doch der, das war uns einstens klar, nur Vor-Bote er früher war.
Und noch etwas fällt mir hier ein, der Nikolaus kam nicht allein: Nein - einen Begleiter hatte er und den, den fürchteten wir sehr.
Sein Name heut' kaum einer kennt, Knecht Ruprecht sich der Strenge nennt. Auch wenn er mit der Rute drohte, sein Drohen blieb nur Anekdote.
Was wirklich sein Erscheinen hieß, dass er das Böse uns bewies, das wir im Bösen selbst uns übten und anderen deren Freude trübten.
Sein Drohen war schon Straf' genug und hielt uns ab von manch' Betrug, und bei dem Schrecken blieb es dann noch heute denke ich daran.
Doch wer wagt heute Kindern droh'n? Verdienen lässt sich so kein Lohn. Doch Elternrecht heißt Elternpflicht, zur Ordnung rufen ihren Wicht, Was Eltern an dem Kind versäumt, wird schwer von andern ausgeräumt.
Und so spielt man dann Jahre später, gar oft das Spiel vom Schwarzen Peter: Versagte nicht das Elternhaus? Wie sah denn die Erziehung aus? Die Schule sollte es doch richten, und Streitsucht und Konflikte schlichten; in Ausbildung dann obendrein, weiß jeder dann, was sollte sein.
Und so betrachtet wird es klar, dass es so schlecht wohl gar nicht war, wenn da im Hintergrund was drohte, Respekt genoss der Schreckensbote.
Doch drohen, dass sei auch vermerkt, nicht immer nur das Gute stärkt; belohnen fördert es nicht minder, darum beschenkt zu Recht ihr Kinder. Es ist auch hier in allen Dingen: Die Mischung fördert das Gelingen!
Ich sage es drum frei heraus, zu Weihnachten wünsch' ich im Haus das Christkind - nicht den Nikolaus: Denn Einkehr hat es uns gesendet, wo heut' uns nur Kaufrausch blendet. Der Nikolaus ist lieb und Recht, das gilt genauso für sein Knecht, sie sind, die alles vorbereiten, doch Weihnachten sind andre Zeiten, da sollte jeder in sich gehen und freudig in die Zukunft sehen.
Drum haltet fest an allen Festen, das Gute nehmt und nehmt von Besten, doch haltet auch die Trennung ein, ein Schaden sollte dies nicht sein.
Wer Anlässe und Brauch nicht trennt, den Sinn von allem nicht erkennt. Und ist der Sinn dann erst verloren, blind bleiben Augen, taub die Ohren.
Roland Weber
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